Presserat rät rätselhaft
9. März 2010
Die institutionalisierte Hüterin der Presse-Moral trifft hier und da seltsame Entscheidungen

Wenn Uwe Klußmann bei Spiegel Online den “Zigeunerbaron” aus der Klischee-Kiste holt, um einen ausländischen Politiker moralisch abzuwerten (und zwar im Ressort “Politik”), so hält das der Deutsche Presserat für einen legitimen “musikhistorisch-literarischen” Vergleich und nicht für Rassismus. Wenn dann das Satiremagazin Titanic seinen Job macht und den Presserummel um Robert Enkes Suizid treffend karrikiert, dann sei das ein Verstoß gegen die Menschenwürde.
Diese Entscheidungen des Presserats sind die eigentliche Satire. Aber sicher unbeabsichtigte.
Slowakei: Zigeunerkinder zwangserziehen
9. März 2010
Heute schon eine gute Idee gehabt?
Geht es nach dem slowakischen Ministerpräsidenten Robert Fico, dann wird sich die Situation der slowakischen Roma demnächst verbessern. Per verordnetem Internat soll den Zigeunerkindern der Weg in die slowakische Gesellschaft endlich eröffnet werden.
Herr Fico und die Blaskapelle, die hier (wahrscheinlich anlässlich einer guten Idee von Herrn Fico) kräftig am Musizieren ist. Quelle: http://sk.wikipedia.org/wiki/Robert_Fico
Ob das mit den Eltern der Kinder abgesprochen ist, dazu hat Herr Fico sich noch nicht geäußert, aber man geht davon aus, dass die Eltern dem Internatsaufenthalt ihrer Kinder nicht unbedingt zustimmen müssen. An der genauen Umsetzung muss natürlich noch gefeilt werden. Unklar ist bisher, ob die Polizei oder die Armee die Kinder aus den Müllsiedlungen abholt rettet. Herr Fico will den Zigeunern auch weiterhin die Option lassen, der slowakischen Mehrheitsbevölkerung den Gefallen zu tun, das freiwillige Leben im Müll ganz von allein aufzugeben. Hierfür werden momentan spezielle Mediatoren ausgebildet, die dann zwischen den normalen Slowaken und den Zigeunern kommunizieren sollen. Herr Fico kommuniziert erstmal nur mit der Presse, nicht mit Zigeunern.
Eine andere Frage ist, ob die Zigeuner-Eltern ihre Kinder nach einem Internatsbesuch noch wiedererkennen und sie als echte Zigeuner annehmen. Als gebildete Menschen wären die Kinder ja dann keine Zigeuner im eigentlichen Sinne mehr, sondern Slowaken.
Es ist sicherlich im Sinne von Herrn Fico, wenn darauf hingewiesen wird, dass seine Idee unter anderem auf Maria Theresia zurückgeht, die ihrerzeit die habsburger Zigeuner erfolgreich mit der zivilisierten Lebensweise vertraut machte. In diesem Sinne bleibt mir nur, Herrn Fico alles erdenklich Gute zu wünschen, wenn er an die lange Tradition europäischer Zigeuner-Assimilationspolitik anknüpft.
update (9.3.2010, 16:25):
Amnesty International findet die Idee von Roebrt Fico gar nicht gut.
Zum Frauentag
8. März 2010
Schmutzige Füße
5. März 2010
Deutsches Sanitärwesen in Gefahr
Erregt bei Henryk M. Broder Kopfschütteln: “Fußwaschbecken für Moslems” – und zwar in den Sanitäreinrichtungen eines deutschen Gerichtsgebäudes. Und das, wo die Kruzifixe zunehmend aus den Gerichtssälen verschwinden und mit Portraitfotos von Horst Köhler ersetzt werden. Stimmt da was nicht in Deutschland?

Quelle: achgut.com
Herr Broder, dass Sie für Ihre Meldung offen neonazistische “Netzseiten” bei Achgut als Quelle verlinken, spricht für Ihre Freude an tiefgehender Recherche. Aber um den Dampf aus der Nazi-Meldung rauszunehmen, müssen wir die Kirche im Dorf lassen: Die Repräsentationsfunktion eines Gerichtssaals ist von Bedeutung. Kruzifixe aus deutschen Sanitärräumlichkeiten müssen nicht entfernt werden und dürfen neben den Fußwaschbecken hängen bleiben.
update (5.3.2010, 13:40):
Der Link zum Nazi-Blog “NID INFOBLOG” wurde aus dem o.g. Artikel entfernt und durch Herrn Broder oder seine Kollegen mit einem Link zur RP-online ersetzt. Aber warum?
Screenshot der Urmeldung mit Anzeige des Link-Ziels:

update (7.3.2010):
In einer e-Mail bat ich Henryk M. Broder, mir diese zwei Fragen zu beantworten:
” … warum wurde der Link, also Ihr ursprüngliches Rechercheergebnis, stillschweigend durch einen anderen ersetzt? Daran schließt sich eine weitere Frage an: Kommt es öfter vor, dass Sie auf Internetseiten, die offen antisemitsch, rassistisch, antizionistisch und NPD-nah sind, als Ihre Quellen verweisen? …”
Herr Broder reagierte mit einer Mail, in der er klarmachte, dass er diese Fragen nicht beantworten möchte.
Holt die Wäsche rein…
4. März 2010
Gleich strömt’s los
ZEIT-Vertreib:
Mein Vorschlag: “Abgesandten nach Belgrad schicken”, “Rückführung dieser Asylbewerber organisieren” und “Lösung für dieses Problem finden”. Aber zackig.
(ZEIT.de ist nur eine von vielen, meist regionalen Online-Zeitungen, die diese DPA-Meldung im Wortlaut übernommen haben.)
Geert als Chance
4. März 2010
Gut unter sich
Wie nennt man bei der “Achse des Guten” Kritiker einer Gleichsetzung vom Koran mit Mein Kampf? Gutmenschen
(Bezieht sich das “Wieder einmal” auf die Zeit vor oder nach 1945?):
Quelle: www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/boese_boese_hollaender/
übrigens (8.3.2010):
Kleiner Führer für den modernen Populisten
Untergrund-Gender
4. März 2010
Der Ton macht die Musik
In der Berliner U-Bahn ist die weibliche Stimme von Ingrid Metz-Neun weit verbreitet für die Stations-Ansagen. Ich glaube, männliche Sprecher gibt es für die Stationen der U-Bahn in Berlin gar nicht. Aber: Einsteigen und Zurückbleiben werden von einer männlichen Stimme erbeten.
Bukarester Metrou, Bild-Linzenz: CC
(Quelle: http://ro.wikipedia.org/wiki/Fi%C5%9Fier:Metrou_Izvor.jpg)
In der Bukarester Metrou werden die Warnung “Atenţie, se-nchid uşile!” wie auch die Stationen von der gleichen, weiblichen, Stimme angesagt.
Die Verheißung zukünftiger Aufenthaltsorte wird einer Dame überlassen. Aber dem gemeinen Preußen wird nicht zugetraut, dass er sich auch von einer Frau bevormunden lässt. Da sind die Rumänen schon weiter …
Dirty Dancing
3. März 2010
Metrorätsel
Mulţumim mult lui bombastick pentru poza!
Was wird hier abgebildet? Wer meint, dass hier etwas anderes passiert, als eine öffentliche Ballettprobe auf einer Bukarester U-Bahnstation, ein überstürztes Wiedersehen oder blinder Aktionismus eines Antigraffitikommandos, der macht einen Vorschlag.
Dokumentierter Dieb
Quelle: Bild.de (Gesicht im Original nicht unkenntlich)
Ein Rumäne auf frischer Tat ertappt, beim Klauen! Anlass genug, dass Alexandra zu Castell-Rüdenhausen für “Bild” Stuttgart den Stuttgarter “Rentner-Schreck” zum Thema macht. Der steckt offenbar auch Frau zu Castell-Rüdenhausen noch in den Knochen, wohl von dem Ergebnis ihrer investigativen Recherchearbeit. Denn zusätzlich zur Reproduktion einer 4 Tage alten Polizeimeldung liefert die Autorin noch ein Foto mit dem klar erkennbaren, gestellten Rumänen Dieb und wichtige Fakten: bei dem Mann handelte es sich um “den schlimmsten Taschendieb der Stadt” und er war auch noch “extra aus Rumänien für seine Diebestouren eingereist”. Diese wurden ihm nun kräftig vermasselt. Menschen wie Frau zu Castell-Rüdenhausen reisen zwar vielleicht auch mal in anderen Ländern ein, aber das dann wahrscheinlich eher für Einkaufstouren oder Spritztouren.
Wenn man so will, war der Rumäne Dieb ja eigentlich zu einem Arbeitsaufenthalt in Deutschland. Wobei eigentlich nicht klar ist, ob er neben den “Diebestouren” in Deutschland vielleicht auch hier und da Entspannung und den Abstand zur fernen Heimat gesucht hat. Wer weiß. Der Wortlaut des Gesprächs zwischen der Reporterin und dem Rumänen Dieb liegt dem Artikel nämlich nicht bei. Und das, obwohl die Bild-Gräfin ihre Recherchearbeit in anderen Fällen viel seriöser und mit großer Detailtreue dokumentiert, wie im spannenden Gerichtsprozess über einen “Star-Anwalt”, der seiner Schwiegermutter versuchten Totschlag im Swingerclub vorwirft.
